Weshalb das Tabu um die Wechseljahre endlich einer breiten Aufklärung weichen muss.
Text: Andrea Pauli
«Wechseljahre, das betrifft mich nicht», denken Sie jetzt, lieber Abonnent? Vielleicht doch. Weil Ihre Partnerin diese Lebensphase durchläuft, weil Sie als Chef Mitarbeiterinnen begegnen, denen womöglich die Arbeit aufgrund von Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen furchtbar schwerfällt, oder schlicht: weil nun mal die Hälfte der Menschheit in die Menopause kommt. Das Thema geht uns alle an. Geld ist in unserer Konsumgesellschaft immer ein gewichtiges Argument, und so ziehe ich mal diese Karte: Weltweit wird der Gesamtschaden durch wechseljahresbedingte Ausfallzeiten auf 150 Milliarden Euro geschätzt. Tendenz steigend, denn 2030 wird ein Viertel der Weltbevölkerung in den Wechseljahren sein. Aber ganz abgesehen von diesem pekuniären Aspekt halte ich es für zwingend, über die Menopause informiert zu sein. Rein aus gesundheitlicher Sicht, denn Wechseljahresbeschwerden werden oft nicht richtig diagnostiziert und somit falsch behandelt. Frauen warten durchschnittlich rund 1,5 Jahre auf eine Therapie. Wir Frauen müssen uns natürlich auch selbst kümmern – und zwar beizeiten. Hätte ich das Wissen von heute schon zwischen 30 und 40 gehabt, hätte ich viel zielgerichteter die Weichen für gesundes Altern stellen können – ich nenn' jetzt nur mal das Stichwort Osteoporose. Schenken wir also uns selbst und anderen grosses Verständnis, vertieftes Interesse und eine Extraportion Fürsorge.
Wechseljahre und die Langzeitfolgen: Interview mit Prof. Dr. Stute