Stress lässt sich kaum vermeiden. Entscheidend ist, wie man damit umgeht. Und dass man sich selbst keinem permanenten Leistungsdruck aussetzt.
Unsere Urahnen hatten es gut: Die Gefahr (Säbelzahntiger) war real, es galt: kämpfen oder flüchten. War die Gefahr vorüber, konnten sich Blutdruck und Blutzuckerspiegel wieder beruhigen, die Stresshormone Adrenalin und Noradrenalin sanken, der Herzschlag verlangsamte sich, die Muskeln entspannten sich. Und wir, heutzutage? Dauergestresst, erschöpft, angespannt, nervös, reizbar. „Stress“ ist ein Alltagsphänomen, selbst bei Kindern. Nun sind die Anforderungen unserer Zeit wie sie eben sind, Leistungsdruck ist allgegenwärtig – das Entscheidende ist, wie wir damit umgehen (und welchen Umgang mit Belastung wir unseren Kindern vermitteln). Das ist die Stellschraube, an der jede und jeder einzelne drehen kann. Dazu ist es sinnvoll zu verstehen, worin der Unterschied zwischen Leistungsdruck und Stress besteht.
Leistungsdruck ist in der Regel das, was wir uns selbst machen: den innerlichen Druck, etwas ganz besonders gut machen oder können zu müssen. Häufig entsteht Leistungsdruck in Phasen der Veränderung: Man kommt als Kind in eine neue Schulklasse, man beginnt mit Lehre oder Studium, man will der neuen Chefin zeigen, was in einem steckt, man beginnt eine berufsbegleitende Weiterbildung, um mehr zu verdienen... die Liste kann sicher jede und jeder eifrig fortschreiben.
In unserer kompetitiven Gesellschaft entsteht Leistungsdruck auch, weil wir uns ständig mit anderen vergleichen, ob im Berufsalltag, beim Sport, auf Instagramm oder TikTok – die Mehrzahl der Menschen möchte auch gerne zu den „Besten“ gehören, Lob einheimsen, gut dastehen, glanzvoll auftreten. Das erzeugt einen reichlich ungesunden Wettbewerb – und Leistungsdruck, der letztlich völlig unnötig ist.
Meist steht er auch in Zusammenhang mit mangelndem Selbstwertgefühl und geringem Durchsetzungsvermögen. Wer psychologisch tiefer gräbt, findet vielleicht Gründe für heftigen Leistungsdruck in Erfahrungen seiner Kindheit.
Leistungsdruck kann entstehen, weil wir erhebliche Konsequenzen fürchten, wenn wir ihm nicht standhalten. Die entsprechenden inneren Worst-Case-Szenarien hat vermutlich jede und jeder schon mal erlebt. Da ist diese Angst, von Arbeitskollegen belächelt oder ausgegrenzt zu werden, die Sorge, eine Prüfung nicht mit Bestnote abzuschliessen, die Furcht, vom Gegenüber nicht gemocht, geliebt, wertgeschätzt zu werden, wenn wir nicht unserer ganz persönlichen „100 Prozent-Vorstellung“ entsprechen.
Leistungsdruck führt zu einer körperlichen Stressreaktion und kann Symptome wie Nervosität, Atemnot, Zittern, Schlafstörungen und Durchfall auslösen.
Leistungsdruck kann lähmend sein: Man bekommt Angst, wenn man nicht mehr damit umgehen kann, man blockiert innerlich. Anhaltender Leistungsdruck kann Stress auslösen – und eine Kaskade aktivieren, die zu Angst führt, in Erschöpfung mündet und bei chronischem Stress im Burnout enden kann. Es gilt also, so früh wie möglich was für sich zu tun, ehe diese Kaskade losbricht. Heisst: Direkt beim Leistungsdruck ansetzen, da zu einer anderen inneren Haltung finden, sich weniger (schlecht) bewerten und mehr selbst wertschätzen.
Zum Glück gibt es mittlerweile eine Reihe bewährter Techniken, die einem helfen können, mit druckmachenden Situationen oder Haltungen im Leben besser umzugehen, z.B. Achtsamkeitstraining oder Autogenes Training.
Und es gibt wissenschaftlich gut untersuchte Helfer aus der Natur, die einen dabei unterstützen, besser mit Leistungsdruck umzugehen, z.B. das Baikal-Helmkraut.
Stress entsteht in bestimmten Lebenssituationen und ist eine natürliche Reaktion des Körpers, die unsere Alarmbereitschaft in bedrohlichen Momenten erhöht. Die Stressreaktion ist erst mal positiv, denn sie stellt dem Organismus Energie bereit. Man fühlt sich wach, ist reaktionsschnell und kann leistungsstark agieren.
Der Stress, der unsere Lebenssituation im Digital- und KI-Zeitalter prägt, unterscheidet sich gravierend von dem urzeitlichen Stress unserer Urahnen – wir reagieren aber immer noch nach denselben Mustern.
Typische Stressauslöser heutzutage sind Zeitdruck und heftige Reizüberflutung, aber Angst vor Arbeitslosigkeit, gravierender Schlafmangel und generell fordernde Arbeits-, Umwelt- und Lebensbedingungen.
Die Wissenschaft unterscheidet in akuten und chronischen Stress. Akut heisst, es gibt einen kurzen, zeitlich begrenzten Stressmoment, z.B. die Fahrprüfung, die Präsentation eines Projekts, das Jahresgespräch mit dem Chef.
Chronischer Stress hingegen hält lange an, weil er mit grösseren Problemen in Zusammenhang steht, z.B. langen Erkrankungen, massiven finanziellen Sorgen, Scheidung, Verlust von nahestehenden Menschen etc.
Bei chronischem Stress verändert sich die Stressantwort unseres Körpers: Betroffene haben mehr Kortisol im Blut, was diverse ungünstige Folgereaktionen nach sich zieht – und das wiederum erhöht das Risiko für verschiedene Erkrankungen.
Längerer Stress kann zu körperlichen Beschwerden, z.B. Konzentrationsstörungen, Schlafstörungen, Magen-Darm-Beschwerden, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, muskulären Verspannungen führen.
Dauerstress mündet häufig in das Erschöpfungssyndrom, Burnout-Syndrom oder eine depressive Episode.
Stress lässt sich im Alltag wohl kaum vermeiden. Doch chronisch muss er nicht zwangsläufig werden – wenn wir rechtzeitig unsere Lebenssituation überdenken und Stressbewältigungsstrategien entwickeln. Resilienz ist hier das Stichwort, also eine erworbene, antrainierte Widerstandsfähigkeit.
Wir müssen schauen, wie wir unsere individuellen Ressourcen richtig einsetzen und schützen. Meint: Wie wir für eine stabile körperliche Verfassung sorgen, dabei die eigenen Wünsche und Bedürfnisse nicht übergehen und uns der Unterstützung unserer Mitmenschen vergewissern.
Wie man Stress gesund bewältigt, ist letztlich eine Typfrage. Doch auch die leistungsfähigsten Menschen sollten nicht vergessen, bewusste Erholungsphasen einzuplanen, rechtzeitig stressauslösende Probleme anzugehen und in letzter Konsequenz selbstschädigende Denkmuster zu verändern, die Stress immer wieder fördern.
„Keiner kann von aussen bestimmen, was für den Einzelnen Stress ist“, sagt Gerald Hüther, Prof. für Neurobiologie an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie in Göttingen. „Entscheidend ist die subjektive Bewertung.“
Ob etwas als Stressor eingestuft wird, hängt von den Erfahrungen ab, die der Mensch gesammelt hat, so der Hirnforscher.
Und so stehen auf der einen Seite die Belastungen, auf der anderen Seite der Waagschale die Kräfte – Stress ist dann letztlich das wahrgenommene Ungleichgewicht zwischen diesen
Leistungsdruck und der dadurch ausgelöste Stress lassen uns auf emotionaler Ebene intensiver empfinden, wir sind konzentrierter und fokussieren uns stärker auf eine Aufgabe. Leistungsdruck kurbelt sogar kurzfristig das Immunsystem an; dadurch können wir mühselige Situationen putzmunter überstehen.
Und nicht zu vergessen: Stress ist auch der Motor für unser inneres Wachstum.