Die Wechseljahre sind eine Zeit des Umbruchs und das macht sich körperlich, oft aber auch seelisch bemerkbar. Eine gute Unterstützung in dieser turbulenten Lebensphase sind Heilkräuter. Sieben eignen sich ganz besonders bei den unterschiedlichen Beschwerden, unter denen vielen Frauen nun leiden. Deshalb lohnt es sich, sie kennenzulernen.
Autorin: Annette Willaredt
Heilpflanzen bieten eine sanfte Möglichkeit, Beschwerden zu lindern. Die einfachste Möglichkeit ist immer, sich einen Tee aufzubrühen. Bei stärkeren Problemen kann es auch sinnvoll sein, sich in der Apotheke Extrakte der betreffenden Pflanzen zu besorgen. Wer regelmässig Medikamente einnimmt, sollte sich vorab jedoch mit dem Hausarzt oder der Frauenärztin abstimmen. Das gilt auch bei ungewohnten Beschwerden, die plötzlich auftreten und/oder heftig sind.
Wichtig zu wissen: Bis die Naturarzneien wirken, dauert es bei regelmässiger Anwendung üblicherweise rund 14 Tage.
Die Blätter des Küchenkrautes sind sehr wirksam gegen die in den Wechseljahren oft auftretenden Schweissausbrüche. Der genaue Mechanismus ist zwar noch nicht bekannt, doch man geht davon aus, dass die Inhaltsstoffe des Salbeis die Schweissproduktion an den Nervenenden der Schweissdrüsen bremsen. Der Effekt wird vor allem den enthaltenen ätherischen Ölen und Gerbstoffen zugeschrieben. Zusätzlich wirkt Salbei leicht antibakteriell. Das hilft auch gegen eventuell sich bildende Gerüche.
Wichtig für den Anti-Schwitz-Effekt ist allerdings, dass man nicht eine der zahlreichen Zuchtformen des Salbeis benutzt, sondern die medizinische, Salvia officinalis genannt. Angewendet werden kann Salbei äusserlich und innerlich.
Für einen Tee werden ein bis zwei frische Salbeiblätter zerkleinert und mit 250 Millilitern kochendem Wasser übergossen. Rund 10 Minuten ziehen lassen, abseihen.
Hat man nur getrocknete Blätter zur Verfügung, nimmt man drei bis vier. Von diesem Tee kann man über den Tag verteilt zwei bis drei Tassen trinken. Zu empfehlen ist, die letzte Tasse kurz vor dem Zubettgehen zu trinken. Am besten geniesst man den Tee eher lauwarm.
Äusserlich lässt sich Salbei für Waschungen einsetzen. Dazu zwei Esslöffel Kraut mit 250 ml kochendem Wasser übergiessen und 10 Minuten ziehen lassen. Danach abseihen und die Flüssigkeit abkühlen lassen. Damit werden dann z.B. die Achselhöhlen direkt nach dem Duschen oder Baden abgewaschen. Nicht nachspülen.
Auch ein Vollbad mit Salbei tut vielen Frauen gut. Am besten nimmt man es abends, denn es wirkt gleichzeitig beruhigend. Schöner Nebeneffekt: Es strafft auch die Haut. Für den Badezusatz 250 Gramm Salbei in 4 l Wasser aufkochen, auf kleiner Flamme 20 Minuten ziehen lassen. Danach abseihen und in das Badewasser geben.
In Apotheken und Drogerien findet man konzentrierte Arzneimittel mit Salbei gegen Schweissausbrüche.
In der fruchtbaren Lebensphase einer Frau hat ihr Körper eine geniale Möglichkeit zur Entgiftung. Mit dem Menstruationsblut werden auch Schadstoffe, z.B. aus der Umwelt und der Ernährung, aus dem Körper geleitet. Nach der letzten Menstruation entfällt dieser heilsame Mechanismus. Die Entgiftung muss nun von der Leber, der Niere und der Haut komplett übernommen werden. Sehr sinnvoll ist es, den Körper dabei zu unterstützen. Das beugt entzündlichen Prozessen vor und sorgt für eine schöne Haut. Manche Untersuchungen weisen darauf hin, dass so auch Haarausfall vorgebeugt werden kann.
Die wichtigste Entgiftungspflanze ist die Brennnessel. Sie hemmt das Wachstum von Bakterien im Körper und regt die Nierenfunktion an. Dadurch werden Schadstoffe schneller aus dem Körper transportiert. Dazu liefert das „Unkraut" reichlich Vitamin C, Eisen und Magnesium. Diese Vitalstoffe helfen beim Abpuffern von schädlichen Säuren im Körper.
Aus Brennnesselblättern kann man einen Tee zubereiten. Dazu zwei Teelöffel frisches Kraut mit 250 ml kochendem Wasser übergiessen. 8 Minuten ziehen lassen. Ungesüsst trinken.
Frische Brennnesselblätter kann man auch wie Spinat verwenden und daraus Suppe oder Gemüse kochen.
Die Blätter eignen sich auch als Zugabe zu einem Smoothie.
In den Wechseljahren spielt die Leber eine wichtige Rolle, denn sie ist massgeblich am Stoffwechsel beteiligt. Sie baut Stärke und Zucker aus der Nahrung zu Glukose ab, die dann dem Körper die nötige Energie liefert. Auch Eiweisse und Fette werden in diesem Organ zerlegt. Aus einem Teil davon werden dann wichtige Stoffe wie Cholesterin oder Hormone gebildet. Ganz entscheidend ist in dieser Lebensphase die Entgiftungsfunktion der Leber, die jetzt – wie schon gesagt – nicht mehr von der Menstruation übernommen wird.
Um all diese lebensnotwendigen Aufgaben erfüllen zu können, muss die Leber fit sein. Neben einer Ernährung, die nicht zu süss und zu fettig ist, hilft dem Organ die Mariendistel. Die Früchte dieser Heilpflanze sind sehr reich an Silymarin. Dieser Wirkstoff stärkt zum einen die Hülle der Leberzellen; Schadstoffe können so nicht mehr so leicht eindringen. Zum zweiten beschleunigt Silymarin die Regeneration von Lebergewebe. Auch wenn das Organ schon vorgeschädigt ist, gelingt es mit der Mariendistel oft, die Regeneration zu fördern.
Ein Mariendistel-Tee kann die Leber anregen und bei leichten Verdauungsbeschwerden helfen. Dazu einen 1 TL der Samen zerquetschen und mit 250 ml Wasser in einen Topf geben. Aufkochen und etwa 10 Minuten leicht köcheln lassen, abseihen. Ein bis zwei Tassen am Tag nach den Mahlzeiten trinken.
Ist die Leber bereits etwas angegriffen – und das ist sie bei mindestens die Hälfte der Menschen über 50 – ist ein Tee aber oft nicht wirksam genug, denn das Silymarin ist schlecht wasserlöslich. Stattdessen empfiehlt sich die Einnahme von Extrakten in Kapsel- oder Tablettenform.
Bei typischen Wechseljahresbeschwerden hat sich die Traubensilberkerze bewährt. Die Heilpflanze ist in der Lage, ausgleichend auf den Hormonstoffwechsel von Frauen einzuwirken. In der Wurzel stecken sogenannte Triterpenglykoside, die eine östrogenartige Wirkung entfalten. Allerdings sind diese Stoffe chemisch ganz anders aufgebaut als Östrogene. Sie rufen deshalb keine der Nebenwirkungen hervor, wie man sie von der Behandlung mit herkömmlichen Hormonersatzprodukten kennt. Das gilt besonders für die negative Wirkung auf das Brustgewebe.
Für einen Tee werden zwei Teelöffel zerkleinerte Wurzel in kochendes Wasser gegeben. 15 Minuten ziehen lassen und abseihen. Bis sich eine deutliche Wirkung des Tees zeigt, dauert es oft bis zu vier Wochen.
Bei stärkeren Beschwerden ist die Einnahme von Extrakten sinnvoll.
Wichtig zu wissen: Tee und Extrakte sollten nur rund drei Monate eingenommen werden. Es gibt Hinweise, dass es bei längerem Gebrauch zu Leberschäden kommen kann.
Bei depressiven Verstimmungen kann das Johanniskraut die Stimmung aufhellen und nervöse Unruhe lindern. Verantwortlich dafür sind vermutlich die Stoffe Hyperforin und Hypericin. Wie genau sie Einfluss auf die Psyche nehmen, ist bislang zwar nicht ganz geklärt, doch Studien belegen die Wirksamkeit.
Für einen Tee übergiesst man 2 TL Johanniskraut mit 250 ml kochendem Wasser, 10 Minuten ziehen lassen, abseihen. Täglich zwei, höchstens drei Tassen trinken.
Bei leichten bis mittelschweren Depressionen setzen Naturheilkundler auch häufig mit Erfolg hochdosierte Johanniskrautextrakte ein.
Wichtig zu wissen: Bei Johanniskraut ergeben sich oft Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Es ist deshalb ratsam, vor der Einnahme mit einem Arzt zu sprechen. Ausserdem: Wer Johanniskrautextrakte nimmt, muss damit rechnen, dass seine Haut sonnenempfindlicher wird. Deshalb auf einen guten Schutz achten!
Frauenmantel ist eines der wichtigsten Frauenkräuter. In jüngeren Jahren hilft die Pflanze bei Menstruationsbeschwerden. Zu Beginn der Wechseljahre, wenn die Menstruation oft schmerzhafter und länger wird, ist er ebenfalls sehr zu empfehlen. In einer späteren Phase der Wechseljahre ist der Frauenmantel hilfreich bei Hitzewallungen, denn die Blätter enthalten gestagenartige Substanzen. Ausserdem wirkt die Pflanze regulierend auf den gesamten Hormonhaushalt. Welche Substanzen dafür verantwortlich sind, weiss man noch nicht. Eine weitere, wenig bekannte Wirkung dieser Heilpflanze: Sie schützt die Blutgefässe.
Für einen Tee übergiesst man 1 EL frisches Kraut mit 250 ml kochendem Wasser. 7–10 Minuten ziehen lassen, abseihen. Bei Beschwerden drei- bis viermal täglich eine Tasse trinken.
Schon seit dem 14. Jahrhundert wird der Weissdorn zur Behandlung von Herz- und Kreislauferkrankungen eingesetzt. Heute weiss man, dass seine Inhaltsstoffe (vor allem verschiedene Flavonoide) tatsächlich die Durchblutung des Herzmuskels verbessern, die Herzkranzgefässe erweitern und die Schlagkraft des Herzens erhöhen.
In den Wechseljahren hat sich das Heilkraut vor allem zur Behandlung von starkem Herzklopfen, Rhythmusstörungen und Beklemmungsgefühlen bewährt – typische „Herzreaktionen" auf die hormonellen Schwankungen. Diese Symptome sollten aber immer ärztlich abgeklärt werden, bevor man zu Naturheilmitteln greift.
Doch auch wenn keine dieser Beschwerden auftreten, ist es oft kein Fehler, den Herzmuskel mit Weissdorn zu kräftigen und so Herz-Kreislauf-Problemen vorzubeugen.
Für einen Tee 2–3 TL getrocknete Blüten und Blätter mit 250 ml heissem Wasser übergiessen. Rund 20 Minuten ziehen lassen, abseihen und ungesüsst trinken.
Bei einer diagnostizierten Herzschwäche ist es meist sinnvoller, zu Weissdornextrakten zu greifen. Das sollte man mit seinem Arzt abklären.