Jetzt für den Winter vorsorgen: Warum der gezielte Verzicht auf säurebildende Lebensmittel im Herbst eine gute Sache sein kann.
Es gibt Hinweise darauf, dass eine überwiegend säurebildende Ernährung den Körper auf Dauer belasten kann – vermutet werden Effekte auf das Herz-Kreislauf-System und auf die Knochengesundheit. Wer sich mit gesunder Ernährung befasst, hat vielleicht schon die eine oder andere Basenkur versucht, etwa im Frühling, um den Körper nach der Winterpause wieder in Schwung zu bringen. Sinnvoll kann eine Basenkur aber auch im Herbst sein. Ruby Nagel, geprüfte Heilpraktikerin mit Schwerpunkt Pflanzenheilkunde, erklärt im GN-Interview, worauf es ankommt.
Interview: Ruby Nagel / Autorin: Andrea Pauli
RN: Durch eine Herbstkur bereitet man den Körper ideal auf die kalte Jahreszeit vor und stärkt das körpereigene Immunsystem. Ausserdem fühlt man sich danach wieder energiegeladener und wohler in der eigenen Haut, hat bessere Laune, weniger Schmerzen, schläft und verdaut besser.
RN: Eine Basenkur, oder auch Basenfastenkur, ist eine milde Fastenform mittels der man eine bestimmte Zeit lang auf Nahrungsmittel verzichtet, bei denen nach der Verstoffwechselung mehr Säuren als Basen im Körper zurückbleiben (v.a. Fertiggerichte, Fastfood, tierische Produkte und Genussmittel wie Chips, Süssigkeiten, Alkohol oder Limonaden) und gezielt Lebensmittel zu sich nimmt, bei denen nach der Verstoffwechselung mehr Basen als Säuren im Körper zurückbleiben (v. a. Gemüse, Obst, fermentierte Nahrungsmittel). Das Ziel dabei ist, den Säure-Basen-Haushalt des Körpers wieder ins Gleichgewicht zu bringen.
RN: Dieses angestrebte Gleichgewicht ist unverzichtbar, wenn alle Organe richtig arbeiten sollen. Sie brauchen einen bestimmten pH-Wert, um gut zu funktionieren. Manche Organe mögen es basischer, andere sauer. Mit einem schlauen Puffersystem verteilt der Körper die Säuren und Basen, die nach der Verstoffwechselung entstehen, um so für jedes Organ das richtige Milieu zu gewährleisten.
Hat der Körper durch eine basenarme Ernährung zu wenig Basen zur Verfügung, leiden auf Dauer die Organe, die ein basisches Milieu brauchen, um richtig arbeiten zu können. Um den Basenmangel auszugleichen, nimmt der Körper z.B. jene Basen, die in Haaren, Knochen oder Muskeln gespeichert sind. Denn diese Körperteile sind nicht überlebenswichtig. Allerdings kommt es mit der Zeit infolgedessen zu Haarausfall, glanzlosen und brüchigen Nägeln, Krämpfen, schwindender Knochendichte, Muskel- und Gelenkschmerzen, aber auch zu ständiger Müdigkeit, gereizten Nerven und Stimmungsschwankungen, Schlafproblemen, Kopfschmerzen oder Migräne, fettiger oder trockener Haut, einem schwachen Immunsystem oder Verdauungsproblemen wie Blähungen, Mundgeruch oder Verstopfung.
Genau wie beim klassischen Heilfasten geht es darum, überschüssige Säuren durch Basen zu neutralisieren und aus dem Körper auszuscheiden. Dadurch wird der Organismus entlastet, die Organe können sich regenerieren und neue Kraft tanken und das Ganze hat einen gründlichen Entschlackungseffekt.
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RN: Im Unterschied zum Heilfasten, bei dem man nichts bzw. nur Gemüsebrühe zu sich nimmt, kann man sich beim Basenfasten richtig satt essen. Das macht die Kur sehr alltagstauglich und ist für die meisten Menschen einfacher umzusetzen. Man kann während so einer Kur weiter zur Arbeit gehen, denn man fühlt sich energiegeladen und frisch.
RN: Eine Basenkur lässt sich wunderbar mit Kräutern kombinieren, denn Kräuter sind per se basisch. Sie können frisch gegessen oder als Tee, Frischpresssaft oder Tinktur eingenommen werden. Es macht absolut Sinn, seine Basenfastenkur durch Heilpflanzen zu unterstützen, denn sie werden basisch verstoffwechselt. Dadurch erhöhen sie den Anteil an Basen im Körper und helfen, den Säure-Basen-Haushalt ins Gleichgewicht zu bringen.
RN: Die besten Heilpflanzen für eine Basenkur im Herbst sind Kräuter, die sowohl die Entgiftungs- und Ausscheidungsorgane anregen als auch das Immunsystem stärken. Eine passende Mischung für eine Basenfastenkur im Herbst besteht zum Beispiel aus Löwenzahnwurzeln, Holunderbeeren, Thymian und Schafgarbe.
Löwenzahn regt mit seinen Bitterstoffen Leber und Galle an und treibt den Harn. Er belebt und kräftigt, stärkt die Verdauung und weckt die Lebensgeister.
Holunderbeeren unterstützen die Entsäuerung besonders über die Nieren und treiben den Harn. Sie stärken aber auch die Lungen sowie das Immunsystem und laden den Körper mit vielen wichtigen Vitaminen und Mineralien auf.
Thymian stimuliert die Entsäuerung über Leber und Niere und fördert zusätzlich die körpereigene Immun-abwehr, reinigt und stärkt die Lungen und entspannt die Nerven.
Die Bitterstoffe der Schafgarbe unterstützen die Leberfunktion, wodurch das Blut gereinigt wird. Auch bei Blähungen, Völlegefühl oder schlechter Verdauung von fettigen Speisen wird die Heilpflanze gerne eingesetzt. Ihr ätherisches Öl wirkt antibakteriell und krampflösend.
Im Herbst, wenn die Pflanzenkräfte sich langsam wieder in die Wurzel zurückziehen, ist der richtige Zeitpunkt, um die Wurzel zu sammeln. Sie wächst wie ein Pfahl senkrecht in die Erde, weshalb man sie gut mit einem Messer stechen und dann herausziehen kann.
Im Herbst enthält die Wurzel besonders viel Inulin. Inulin ist ein wasserlöslicher Ballaststoff mit präbiotischen Eigenschaften, der das Ansiedeln nützlicher Darmbakterien fördert und dadurch das darmassoziierte Immunsystem stärkt.
Um die Wurzeln zu trocknen, werden sie nach der Ernte sauber abgebürstet, gewaschen und so gut es geht mit einem Küchenhandtuch abgetupft. Dann schneidet man sie in kleine Stücke und breitet sie auf einem sauberen Tuch an einem warmen, gut durchlüfteten Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung zum Trocknen aus.
Auch ein Dörrautomat oder der Backofen eignen sich dazu; dabei sollten 40 °C nicht überschritten werden. (Tipp: Klemmen Sie einen Kochlöffel in die Backofentür, so dass die entstehende Feuchtigkeit entfliehen kann und die Temperatur nicht zu sehr steigt.)
Um die schwarzen Früchte im Herbst zu ernten, schneiden Sie die reifen Beeren mit der Schere oder dem Messer ab. Anschliessend entfernen Sie die kleinen Stiele von Hand. Um Sie für einen Tee zu trocknen, gehen sie wie bei der Löwenzahnwurzel vor: Breiten Sie die Früchte auf einem sauberen Tuch aus (Achtung, das Tuch kann fleckig werden) und lassen Sie sie an einem warmen, gut durchlüfteten Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung trocknen. Auch der Backofen und Dörrautomat eignen sich für diesen Vorgang. Wenden Sie die Früchte regelmässig, um das Trocknen zu beschleunigen.
Schneiden Sie die Thymianzweige mit der Schere ab. Binden Sie kleine Sträusse und hängen Sie den Thymian über Kopf zum Trocknen auf. Achten Sie auch hier wieder darauf, dass die Sträusse nicht im direkten Sonnenlicht hängen und der Ort warm und gut belüftet ist. Thymian trocknet in der Regel schnell. Nach ein paar Tagen werden Sie feststellen, dass die Blätter abfallen, sobald Sie sie berühren. Das ist der richtige Zeitpunkt, um die Blätter von den Ästen abzurebeln. Die Äste kommen anschliessend auf den Kompost, die Blätter in den Tee.
Schneiden Sie die Schafgarbe eine Handbreit über dem Boden ab und sortieren Sie die eventuell nicht mehr so schön aussehenden Blätter aus. Binden Sie kleine Sträusse und gehen Sie anschliessend wie beim Thymian vor: Hängen Sie die Sträusse kopfüber an einen warmen, gut belüfteten Ort ohne direkte Sonneneinstrahlung.
Sind die Blätter und Blüten nach ein paar Tagen trocken, werden sie vom Stängel abgerebelt.
Bitte sammeln Sie nur Pflanzen, die Sie auch ganz sicher bestimmen können. Falls Sie nicht sicher sind, können Sie diese auch in der Apotheke beziehen.
Sauce
Rotkohl raspeln, die Petersilie und Feigen hacken und den Apfel würfeln.
Sonnenblumenkerne in einer ungefetteten Pfanne anrösten.
Eine Sauce aus Olivenöl, etwas Wasser und einem Spritzer Apfelessig und Zitronensaft anrühren und alles miteinander vermengen.
Dazu kann man servieren:
Blumenkohl-Fenchel-Suppe
Kartoffel schälen, würfeln und knapp mit Wasser bedeckt gar kochen. Blumenkohl waschen und kleinschneiden und kurz, bevor die Kartoffel weich ist, mit in den Topf geben.
Ist das Gemüse gar, den Topf vom Herd nehmen, 1-2 TL gemahlene Fenchelsamen hinzugeben und mit dem Stabmixer zu einer glatten Suppe pürieren. Falls die Suppe zu dickflüssig ist, noch etwas warmes Wasser hinzugeben. (Die Fenchelsamen machen den Blumenkohl leichter verdaulich.) Mit Kokosmilch und Salz (optional auch mit Curry) abschmecken.
Ruby Nagel lebt in Südfrankreich. Sie bietet jedes Jahr im Frühling und im Herbst eine begleitete, dreiwöchige Online-Basenfastenkur mit Heilpflanzen an. Die Rezepte stammen aus ihrem Kur begleitenden Kochbuch. www.rubynagel.com
Zuletzt aktualisiert: 09-01-2024