Blutdruckmessung in einer Praxis

Kreislauf und Blutdruck: Wenn der Körper aus dem Gleichgewicht gerät

Der Kreislauf sorgt dafür, dass Blut, Sauerstoff und Nährstoffe zuverlässig durch den Körper transportiert werden. Der Blutdruck spielt dabei eine zentrale Rolle: Er beschreibt den Druck, mit dem das Blut durch die Arterien fliesst.

Der Blutdruck ist nicht ständig gleich. Er verändert sich bei Bewegung, Ruhe, Stress, Schlaf, Wärme oder Kälte. Kurzfristige Schwankungen sind normal. Bleiben die Werte jedoch dauerhaft erhöht oder treten bei tiefem Blutdruck Beschwerden wie Schwindel und Schwäche auf, ist eine medizinische Abklärung sinnvoll.

Was ist der Blutdruck?

Damit das Blut vom Herzen bis in die Organe und Gewebe gelangt, muss es unter Druck durch die Gefässe fliessen. Dieser Druck entsteht durch das Zusammenspiel von:

  • der Pumpkraft des Herzens
  • der Weite und Elastizität der Blutgefässe
  • der Blutmenge
  • der Regulation durch Nerven, Hormone und Nieren

Der Blutdruck wird in Millimeter Quecksilbersäule, abgekürzt mmHg, angegeben.

Bei der Messung erscheinen zwei Werte, zum Beispiel 120/80 mmHg.

Was bedeuten der obere und der untere Wert?

  • Systolischer Blutdruck

    Der obere Wert entsteht, wenn sich das Herz zusammenzieht und Blut in die Arterien pumpt. In diesem Moment ist der Druck in den Gefässen am höchsten.

  • Diastolischer Blutdruck

    Der untere Wert entsteht, wenn sich der Herzmuskel entspannt und erneut mit Blut füllt. Der Druck in den Gefässen sinkt, fällt aber nicht vollständig ab.

Welche Blutdruckwerte gelten als Orientierung?

Bei einer Messung in der Arztpraxis gelten Werte unter 140/90 mmHg als normal. Bei einer Selbstmessung zu Hause sollten die Werte in der Regel unter 135/85 mmHg liegen.

Ein einzelner erhöhter Wert bedeutet noch nicht automatisch Bluthochdruck. Für eine Diagnose sind wiederholte Messungen zu verschiedenen Zeiten und an unterschiedlichen Tagen notwendig.

Welche Werte persönlich angestrebt werden sollten, hängt unter anderem von Alter, Gesundheitszustand, Begleiterkrankungen und Medikamenten ab. Die individuelle Beurteilung erfolgt durch eine medizinische Fachperson.

Praxis:

unter 140/90 mmHg

Zuhause:

unter 135/85 mmHg

Einzelwerte ersetzen keine Diagnose.

Warum schwankt der Blutdruck?

Blutdruckschwankungen gehören zum Alltag. Der Körper passt den Blutdruck laufend an die jeweilige Situation an.

Der Blutdruck kann vorübergehend steigen bei:

  • körperlicher Belastung
  • Sport
  • Stress
  • Angst oder Aufregung
  • Schmerzen
  • Kälte
  • Koffein oder Nikotin

Er kann sinken bei:

  • Ruhe und Schlaf
  • Wärme
  • Flüssigkeitsmangel
  • langem Stehen
  • raschem Aufstehen
  • bestimmten Medikamenten
  • Infekten oder anderen Erkrankungen

Nicht jede Schwankung ist problematisch. Entscheidend ist, ob Beschwerden auftreten, die Werte dauerhaft verändert sind oder weitere Risikofaktoren bestehen.

Hoher Blutdruck

Bluthochdruck, medizinisch Hypertonie genannt, bleibt häufig lange unbemerkt. Viele Betroffene fühlen sich gesund und haben keine eindeutigen Beschwerden. Deshalb lässt sich erhöhter Blutdruck nur durch regelmässiges Messen zuverlässig erkennen.

Dauerhaft hoher Blutdruck belastet das Herz und kann die Blutgefässe sowie weitere Organe schädigen. Er gehört zu den wichtigen Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Mögliche Ursachen und Risikofaktoren

Bei den meisten Betroffenen lässt sich keine einzelne Ursache feststellen. Häufig wirken mehrere Faktoren zusammen.

Dazu gehören:

  • familiäre Veranlagung
  • zunehmendes Alter
  • Übergewicht
  • Bewegungsmangel
  • salzreiche Ernährung
  • Rauchen
  • hoher Alkoholkonsum
  • länger anhaltender Stress
  • Diabetes
  • ungünstige Blutfettwerte
  • bestimmte Medikamente
  • Nieren- oder hormonelle Erkrankungen
  • Schlafapnoe

Einige dieser Faktoren lassen sich beeinflussen, andere nicht. Eine ärztliche Abklärung hilft, mögliche Ursachen und das persönliche Risiko einzuordnen.

Vertiefende Informationen

Niedriger Blutdruck

Ein niedriger Blutdruck, medizinisch Hypotonie genannt, ist ohne Beschwerden häufig kein gesundheitliches Problem. Manche Menschen haben von Natur aus tiefere Werte.

Beschwerden können jedoch entstehen, wenn Gehirn und andere Organe kurzfristig nicht ausreichend durchblutet werden – besonders beim raschen Aufstehen oder bei längerem Stehen.

Typische Beschwerden sind:

  • Schwindel
  • Schwarzwerden vor den Augen
  • Unsicherheit beim Aufstehen
  • Müdigkeit
  • Konzentrationsprobleme
  • kalte Hände und Füsse
  • Blässe
  • Herzklopfen
  • Schwächegefühl
  • Neigung zu Ohnmacht

Kreislaufprobleme beim Aufstehen

Wird einer Person beim Aufstehen schwindlig oder schwarz vor Augen, kann eine sogenannte orthostatische Kreislaufreaktion dahinterstecken. Beim Wechsel vom Liegen oder Sitzen zum Stehen versackt kurzfristig mehr Blut in den Beinen. Der Körper muss Herzschlag und Gefässspannung rasch anpassen.

Gelingt diese Anpassung nicht schnell genug, kann der Blutdruck vorübergehend abfallen.

Mögliche Auslöser sind:

  • rasches Aufstehen
  • Flüssigkeitsmangel
  • langes Stehen
  • Hitze
  • Infekte
  • längere Bettruhe
  • bestimmte Medikamente
  • Blutverlust
  • Herz-Kreislauf- oder Stoffwechselerkrankungen

Wiederkehrende oder starke Beschwerden sollten abgeklärt werden, besonders wenn es zu Stürzen oder Ohnmacht kommt.

Was kann bei niedrigem Blutdruck helfen?

Bei beschwerdebedingtem niedrigem Blutdruck können einfache Massnahmen den Kreislauf unterstützen:

  • langsam aufstehen
  • vor dem Aufstehen Füsse und Beine bewegen
  • ausreichend trinken
  • regelmässig bewegen
  • Bein- und Rumpfmuskulatur kräftigen
  • langes unbewegtes Stehen vermeiden
  • bei längerem Stehen die Wadenmuskeln aktivieren
  • kleine, ausgewogene Mahlzeiten bevorzugen
  • Wechselduschen oder Kneipp-Anwendungen nutzen, sofern sie gut vertragen werden
  • bei Hitze besonders auf die Flüssigkeitsversorgung achten

Eine höhere Salzaufnahme sollte nicht pauschal empfohlen werden. Sie kann bei einzelnen Personen sinnvoll sein, sollte aber insbesondere bei Herz-, Nieren- oder Blutdruckerkrankungen zuerst medizinisch besprochen werden.

Schwindel und Kreislaufbeschwerden

Schwindel wird häufig mit dem Kreislauf in Verbindung gebracht, kann aber viele andere Ursachen haben. Dazu gehören beispielsweise Erkrankungen des Innenohrs, Migräne, Medikamente, Infekte, Blutarmut, Herzrhythmusstörungen oder neurologische Ursachen.

Deshalb sollte Schwindel nicht automatisch als niedriger Blutdruck eingeordnet werden.

Eine Abklärung ist besonders wichtig, wenn Schwindel:

  • plötzlich und stark auftritt
  • wiederkehrt
  • mit Ohnmacht verbunden ist
  • zusammen mit Brustschmerzen oder Atemnot auftritt
  • von Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen begleitet wird
  • nach einem Sturz oder einer Kopfverletzung auftritt
Frau vor Blutdruckmessgerät

Blutdruck richtig messen

Blutdruckwerte sind nur aussagekräftig, wenn korrekt gemessen wird.

Vor der Messung

  • möglichst zur gleichen Tageszeit messen
  • vorher fünf Minuten ruhig sitzen
  • nicht direkt nach Sport oder körperlicher Belastung messen
  • möglichst vor Kaffee, Nikotin und Blutdruckmedikamenten messen, sofern medizinisch nicht anders vereinbart
  • Blase vorher entleeren
  • während der Messung nicht sprechen

Während der Messung

  • aufrecht und entspannt sitzen
  • Rücken anlehnen
  • beide Füsse flach auf den Boden stellen
  • Beine nicht überkreuzen
  • Arm entspannt auf Herzhöhe lagern
  • passende Manschettengrösse verwenden
  • Kleidung nicht unter der Manschette einklemmen

Mehrmals messen

Nach der ersten Messung etwa zwei Minuten warten und erneut messen. Liegen die Werte deutlich auseinander, kann eine dritte Messung sinnvoll sein. Notiert wird der Mittelwert der letzten beiden Messungen.

Bei der ersten ärztlichen Abklärung sollte an beiden Armen gemessen werden. Für spätere Selbstmessungen wird normalerweise der Arm verwendet, an dem der höhere Wert festgestellt wurde.

Blutdrucktagebuch

Ein Blutdrucktagebuch hilft, Veränderungen und Muster zu erkennen. Sinnvoll sind folgende Angaben:

  • Datum
  • Uhrzeit
  • erster und zweiter Messwert
  • Puls
  • besondere Beschwerden
  • Medikamente
  • aussergewöhnliche Belastungen oder Stress
  • Bemerkungen zur Messsituation

Einzelne Ausreisser sind weniger aussagekräftig als der Verlauf über mehrere Tage.

Bewegung für Kreislauf und Blutdruck

Regelmässige Bewegung unterstützt Herz, Kreislauf, Gefässe und Stoffwechsel. Bei hohem Blutdruck kann sie einen wichtigen Bestandteil der Behandlung bilden. Bei niedrigem Blutdruck trainiert sie die Anpassungsfähigkeit des Kreislaufs und stärkt die Muskelpumpe.

Geeignet sind beispielsweise:

  • zügiges Gehen
  • Wandern
  • Velofahren
  • Schwimmen
  • Nordic Walking
  • Tanzen
  • moderates Krafttraining
  • Treppensteigen
  • aktive Pausen im Alltag

Die Belastung sollte zur persönlichen Fitness und Gesundheit passen. Bei sehr hohen Blutdruckwerten, Herzbeschwerden oder längerem Bewegungsmangel sollte der Einstieg fachlich begleitet werden.

Ernährung und Blutdruck

Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Früchten, Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten, Nüssen und hochwertigen Pflanzenölen unterstützt die allgemeine Herz-Kreislauf-Gesundheit.

Bei erhöhtem Blutdruck ist besonders ein bewusster Umgang mit Salz sinnvoll. Ein grosser Teil der Salzaufnahme stammt nicht aus dem Salzstreuer, sondern aus:

  • Fertiggerichten
  • Wurstwaren
  • salzigen Snacks
  • Brot und Backwaren
  • Käse
  • Saucen und Würzmitteln
  • stark verarbeiteten Lebensmitteln

Frische Kräuter, Gewürze, Zwiebeln, Knoblauch und Gemüse können Geschmack geben, ohne dass stark nachgesalzen werden muss.

Flüssigkeit und Kreislauf

Eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist wichtig für das Blutvolumen und die Kreislauffunktion. Bei Hitze, Sport, Fieber, Durchfall oder Erbrechen steigt der Flüssigkeitsbedarf.

Geeignete Getränke sind:

  • Wasser
  • Mineralwasser
  • ungesüsster Kräutertee
  • ungesüsster Früchtetee

Wer aufgrund einer Herz- oder Nierenerkrankung eine begrenzte Trinkmenge einhalten muss, sollte sich an die medizinische Empfehlung halten.

Stress und Blutdruck

Stress aktiviert das vegetative Nervensystem. Herzschlag und Blutdruck können dadurch vorübergehend ansteigen. Das ist eine normale Reaktion.

Problematisch kann es werden, wenn die Anspannung dauerhaft anhält und Erholung fehlt. Entspannungsübungen ersetzen keine Blutdruckbehandlung, können aber helfen, Belastung und Anspannung besser auszugleichen.

Unterstützend können sein:

  • Atemübungen
  • regelmässige Pausen
  • Bewegung
  • progressive Muskelentspannung
  • Meditation
  • ausreichend Schlaf
  • soziale Kontakte
  • realistische Tagesplanung

Pflanzenwissen: Weissdorn

Pflanzenwissen: Weissdorn Weissdorn (Crataegus) ist traditionell mit Herz und Kreislauf verbunden. Im Pflanzenlexikon erfahren Sie mehr über Botanik, Inhaltsstoffe, Geschichte und traditionelle Verwendung.

Wann sollte der Blutdruck ärztlich abgeklärt werden?

Eine medizinische Abklärung ist sinnvoll bei:

  • wiederholt erhöhten Blutdruckwerten
  • wiederkehrendem Schwindel
  • häufigem Schwarzwerden vor den Augen
  • Ohnmacht
  • neu auftretendem Herzrasen
  • ausgeprägter Müdigkeit oder Leistungsschwäche
  • Beschwerden nach Beginn oder Änderung eines Medikaments
  • stark schwankenden Blutdruckwerten
  • niedrigem Blutdruck mit deutlichen Beschwerden
  • Unsicherheit bei der Selbstmessung

Blutdruckmedikamente sollten nur in Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt angepasst werden.

Wann ist sofortige Hilfe notwendig?

Sofortige medizinische Hilfe ist erforderlich bei:

  • Brustschmerzen oder starkem Druckgefühl in der Brust
  • ausgeprägter Atemnot
  • Bewusstlosigkeit
  • plötzlich auftretenden Lähmungen
  • Sprach- oder Sehstörungen
  • plötzlich sehr starken Kopfschmerzen
  • starker Verwirrtheit
  • sehr hohen Blutdruckwerten zusammen mit akuten Beschwerden
  • Herzrasen oder unregelmässigem Herzschlag mit Schwindel, Schwäche oder Atemnot

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